Trekking – Outdoor – Bushcrafting
 Tarnung im Wald - mit Tarnetz verdecktes Zelt

Tarnung im Wald – mit Tarnetz verdecktes Zelt

Der Tiger tut es, der Gamsbock, die Schlange, Vögel tun es ebenfalls und sogar die meisten Käfer und selbst das Männlein im Walde – nunja, jedenfalls wenn es ein Jäger ist. Normale Wanderer tun es nicht so sehr, Mountainbiker eigentlich gar nicht … sich der Umgebung anpassen, und versuchen dort unsichtbar zu werden. Oder anders ausgedrückt: Eine Tarnung nutzen um nicht aufzufallen…

Offen gestanden finde ich es absolut unsinnig sich im Wald zu tarnen. Bricht man sich was, oder verletzt sich anderweitig, wird man nur schwer gefunden. Und man erschreckt zudem andere Spaziergänger mit seinem martialischem Auftreten. Außerdem? Wir leben in Friedenszeiten – noch – und sollten diese genießen solange es geht. Kommt schon früh genug irgendein Trottel daher und schreit nach Krieg.

Das Tarn-Netz - tatsächlich ein Netz auf welchem gefärbter Stoff aufgebracht ist. Simpel, aber effektiv...

Das Tarn-Netz – tatsächlich ein Netz auf welchem gefärbter Stoff aufgebracht ist. Simpel, aber effektiv…

Ich kenne Leute die sagen es ist notwendig zu lernen sich zu verbergen, denn wenn dereinst der Krieg losgeht, und es ans Überleben ginge, sollte man das draufhaben. Ich habe offen gestanden aufgegeben dagegen zu reden, aber jeder der diesen Gedanken nachvollziehen kann, sollte die Welt auch einmal aus der Sichtweise eines richtigen Soldaten sehen:

Da läuft ein Kerl in Tarnkleidung herum, der nicht zu den eigenen Truppen gehört. Du weißt nicht was er dabei hat, und da die Leute dich eh nicht mögen, sind zwei Sachen möglich: Er ist ein gegnerischer Soldat, oder so ein Freischärler. In beiden Fällen wirst du eines machen: Zielen und Abdrücken – und kein Richter dieser Welt wird dich deswegen verurteilen. Auch nicht der Chef der am anderen Ende des Tunnels wartet…

Außerdem ist tarnen schwer. Man muss verstehen wie so eine Tarnung überhaupt funktioniert, und wann sie funktioniert. Und eben auch wann nicht.

Warum sich das also antun, dieses Tarnen im Wald?

 Deutsches Flecktarn gegen den Waldboden - dieses Tarnmuster ist sehr gut in Wäldern...

Deutsches Flecktarn gegen den Waldboden – dieses Tarnmuster ist sehr gut in Wäldern…

Naja, da gibt es schon Gründe, warum man nicht gesehen werden will. Der erste ist schlicht dass du ein Jäger oder Naturfotograf bist, und zumindest optisch deiner Beute nicht direkt ins Sichtfeld springen möchtest. Gegen die olifaktorischen Punkte, kannst du zwar auch was tun, aber bleiben wir erst einmal beim rein optischen Tarnen.

Der zweite ist dass du jemand bist der sich vor Jägern und Förstern verstecken will, weil du vielleicht nicht ganz so sehr eine Erlaubnis hast in deren Wäldern zu schlafen – also weil du Bushcraften betreibst.

Mein bevorzugtes Tarnmuster - keine Ahnung wie es heißt, aber ich denke es ist ein guter Mix aus Urban und Wald...

Mein bevorzugtes Tarnmuster – keine Ahnung wie es heißt, aber ich denke es ist ein guter Mix aus Urban und Wald…

Oder du gehörst zu jener Sorte Mensch die mit verbesserten Erbsenpistolen in den Wald laufen und dort Krieg spielen wollen – why ever … schau dir die politische Lage an, wirst wahrscheinlich früh genug in den Genuss kommen noch echten Krach zu erleben, nur ob du es dann noch willst??

Alternativ bist du natürlich ein echter Soldat, und willst im Manöver punkten, oder im Zweifelsfalle schlicht überleben – was ich durchaus nachvollziehen kann!

Das sind jetzt die Gruppen, die mir auf Anhieb einfallen, die einen Grund haben sich zu tarnen. Da mag es mehr geben, aber das soll ein Artikel übers Tarnen werden, und nicht über die Beweggründe einzelner Leute. Für die, die es wissen wollen: Ich gehöre zur ersten und zweiten Gruppe: Einerseits fotografiere ich gerne Tiere, und die laufen weg wenn ich daher komme, und zweitens … ‘ne Nacht im Wald finde ich manchmal recht entspannend, solange nicht gerade der Förster mit finst’rer Miene vor mir steht, und mich verjagen will…

1. Tarnen durch Verhalten

Unruhe in den Konturen - Tarnung durch Verschleierung

Unruhe in den Konturen – Tarnung durch Verschleierung

Eine Tarnung beginnt nicht mit alleine mit dem optischen Aspekt. Die meisten Augen sind Jägeraugen. Ob es nun ums Tierreich, oder die Mitmenschen geht. Bewegungen werden schneller wahrgenommen, als Dinge die ruhen. Ruhe ist daher die erste Methode sich geschickt zu tarnen und für andere zu verschwinden.

Glaub mir, wenn du in einem Wald stehst, und alle Äste stehen still, aber ein Ast beginnt zu winken, wirst du automatisch dort hin sehen! Dort ist dann etwas, was deine Aufmerksamkeit auf sich zieht, weil es aus dem natürlichen Rahmen fällt.

Schau dir Katzen an, wenn diese sich an Beute anschleichen. Sie sind langsam, sie sind leise und – wenn du nicht gerade einen knallgelben 08/15 Hauskater dein eigen nennst, sind die Musterungen dieser Tiere auch oft dazu geeignet sich der Umgebung anzupassen. Schönes Beispiel sind hier Luchse: Durch ihre Musterung fallen sie in Wäldern und Graslandschaften, die für sie perfekte Jagdreviere sind, kaum auf.

Dänisches Flecktarn - perfekt im Laub und Blattwerk!

Dänisches Flecktarn – perfekt im Laub und Blattwerk!

Ein altes amerikanisches Tarnmuster aus dem Vietnamkrieg hat den Tiger – wo wir gerade bei Katzen sind – übrigens zum Vorbild, und nennt sich deswegen auch passend: Tigerstripe – perfekt für Graslandschaften.

Auch die Geräusche spielen eine Rolle – ist etwas still, und macht keine Geräusche, wird es nicht so schnell registriert, als wenn man mit seinen Füßen durchs Laub läuft, oder Stöcke zerbricht.

Ruhe und Stillstand ist daher der erste Punkt in einer funktionierenden Tarnung.

Sie umgehen das Gehör und das Sehvermögen. Natürlich, wenn du mit leuchtend gelber Klamotte im Wald stehst, wirst du dennoch auffallen. Und damit kommen wir zu Punkt 2. – Tarnfarben und Mustern…

2. Tarnmuster und Farbwahl

Oliv - der Klassiker unter den Tarnfarben und nach wie vor eine gute Wahl

Oliv – der Klassiker unter den Tarnfarben und nach wie vor eine gute Wahl

Seitdem der Mensch versucht den anderen Menschen mittels Waffengewalt zu erledigen, versucht der andere Mensch sich zu verstecken, und dadurch einen taktischen Vorteil zu erhalten. Früher nahm man dafür Kleidung welche die Umgebungsfarben beinhaltete – wer sich mal Filme wie Robin Hood ansieht, wird verstehen was gemeint ist: Laub und Erdfarbene Töne, die einfach perfekt zum Wald passen.

Waren es zunächst Wegelagerer und Vagabunden, welche sich dieser Tarnung bedienten, griffen spätestens in den Napoleonischen Kriegen die Engländer diese Idee auf. Manche Truppenteile verwendeten Naturfarben um nicht sofort von den Franzosen entdeckt zu werden.

Die ersten richtigen Tarnmuster, im Sinne heute verwendeter militärischer Tarnmuster, wurden erstmals im ersten Weltkrieg angewendet. Auch hier waren es wieder einmal die Engländer, welche den ersten Schritt wagten und die natürlichen Farben miteinander in – ziemlich eckigen – Mustern zu einem Tarnmuster formten.

Auf dem Waldboden ausgebreitetes Tarnnetz

Auf dem Waldboden ausgebreitetes Tarnnetz

Die ersten die ein Tarnmuster 1918 zum Standard erhoben, waren übrigens wir Deutschen – der Buntfarbenanstrich. Eine Mischung aus Ocker-, Brauntönen und grünen Flächen, welche in mit schwarzer Farbe umrandeten, zackenförmigen Mustern aufgetragen wurde. Aus heutiger Sicht sicherlich nicht der Bringer, aber für die damalige Zeit ein echtes High-Tech Produkt. Und mal Hand aufs Herz: Für Menschen die in Schwarz-Weiß lebten, schon eine richtige Tarnung!

Genug Geschichte – eine Tarnung soll sich der Landschaft anpassen, und optisch eine natürlich wirkende Unruhe erzeugen, und Konturen verwischen.

Das Ganze funktioniert auch recht gut, solange Licht auf das zu tarnende Objekt fällt!

Kommt das Licht von hinten, ist man allerdings nicht mehr als eine Silhouette, welche sich durch die Landschaft bewegt. Hier tarnt dann nur noch die Dichte der Vegetation und das Verhalten des getarnten Menschen. Von der eigentlichen Tarnfarbe sieht man in dem Fall jedoch nicht mehr viel…

3. Konturen verwischen

Direkter Vergleich zwischen Ungetarnt und Getarnt

Direkter Vergleich zwischen Ungetarnt und Getarnt

Um das Spiel aus Licht und Farbe ein wenig zu unterstützen, macht es Sinn auch die Konturen – sprich die Ränder – eines zu tarnenden Gegenstandes zu unterbrechen. Wie gesagt, die Natur kennt eigentlich kaum rechteckige oder geometrische Formen. Jedenfalls nicht in stinknormalen Wäldern.

Wenn ich ein Tarp aufspanne, oder mein Zelt aufstelle, dann hat dieses – gegens Licht gesehen – eine klar umrissene Form und fällt dadurch auf. Diese Auffälligkeit kann ich durch Verwendung eines Tarnnetzes minimieren!

Ein Tarnnetz besteht aus einem Netz, auf welchem ein bedruckter, wasserfester und feuerhemmender Stoff, welcher in verschiedensten Mustern ausgestanzt wurde, und der in der Umgebung entsprechenden Farben bedruckt ist. Ein gutes Tarnnetz sieht ein wenig aus wie Laub auf Bäumen. Geht Wind durch, können gute Tarnnetze – je nachdem wie sie abgespannt werden – teilweise sogar den Eindruck sich bewegenden Laubes erwecken.

Ein Tarnnetz hilft dabei die Konturen eines Gegenstands zu verwischen, und dadurch der Umgebung anzupassen!

Eine weitere Steigerung des klassischen Tarnnetzes, bildet der so genannte Ghillie-Anzug!

Hierbei handelt es sich, meist, um Anzüge oder Netze aus einem Netzstoff, auf welchem Jute-Bänder, Schnüre und dergleichen in der Umgebungsfarbe aufgebracht werden.

Gerade in Graslandschaften und an Waldrändern haben sich Ghillies sehr gut bewährt, weil sie hier auch durch ihre Form quasi mit der Landschaft eins werden, und man quasi in der Landschaft verschwindet.

 Detail - Tarnnetze erwecken den Eindruck als wären sie Laub...

Detail – Tarnnetze erwecken den Eindruck als wären sie Laub…

Scharfschützen und einige Tierfotografen schwören daher auf Ghillies, welche man sich übrigens auch aus Netzen, Jutesäcken und Stofffarben selber machen kann. Und nicht nur als Anzug, sondern auch als Tarnnetz…

Beim Ghillie basiert der tarnende Effekt, ebenso wie beim klassischen Tarnnetz, dann auch nicht mehr alleine auf der Farbgebung, sondern vor Allem auch auf die Formgebung. Er verwischt, durch die Bänder und Strippen, die Konturen des zu tarnenden Objekts, oder Soldaten, und macht dadurch unsichtbar. Aber auch hier gilt: Bewegungen können verräterisch wirken!

Ein laufendes Büschel Gras ist einfach auffällig!

Nachteilig beim Ghillie ist die Hitzestauung. Gerade im Sommer kann sich zwischen den einzelnen Fäden und Bändern Hitze sammeln, und das Ganze zu einem kleinen Backofen machen. Als Netz hat man weniger Probleme damit, aber als Anzug kann es einen ganz schön ins Schwitzen bringen.

Sonstiges zum Thema Tarnung

Meine persönlicher Stil - Räuberzivil...

Meine persönlicher Stil – Räuberzivil…

Wärmesignaturen, Hochleistungsmikrofone, Drohnen, Satelliten … das Thema Tarnung lässt sich extrem stark ausbauen, allerdings frage ich mich welchen Sinn das für Leute macht, welche ihrem Hobby fröhnen wollen. Sei es nun Bushcraften, oder sich mit Erbsenpistolen gegenseitig abballern … man sollte sich, gerade im zivilen Bereich, überlegen was macht man, welche Risiken sind verbunden und welcher praktische Nutzen ist gegeben.

Der gemeine Eisvogel wird seine Umgebung sicherlich nicht mit einer Wärmebildkamera absuchen, ebensowenig der Softairspieler. Der Prepper und Survivalfreak hingegen wird den Einsatz einer Rettungsdecke sicherlich als Schutz vor diesen Kameras toll finden, während der Jäger und Fotograf diese wohl eher wegen ihrer Wärme-reflektierenden Eigenschaften schätzt.

Dem Softairspieler, Freizeitsoldaten und Ottonormal-Bushcrafter kann es theoretisch egal sein ob er eine Duftwolke – ob Schweiss oder Deo ist dabei egal – hinter sich herzieht, während Jäger und Fotografen diese tunlichst meiden sollten, weil die Objekte ihrer Begierden zumeist über ein gut ausgeprägtes Geruchsvermögen verfügen.

Beim Tarnen kommt es darauf an verräterische Dinge zu minimieren, und tunlichst nicht aufzufallen. Auffallen können wir nur bei Lebewesen, durch deren Sinneswahrnehmung. Tarnen ist daher die Kunst die Sinne zu täuschen. Auffallen werden wir in erster Linie durch Sicht, Gehör oder Geruch!

Die Möglichkeiten die wir dadurch haben, und auf die wir einen Einfluss nehmen können, sind:

  • Geräusche und Gerüche vermeiden (Ruhe bewahren)
  • Farben und Formen nachahmen (Mimikri)
  • Bewegungen verhindern (Trägheit des Auges nutzen)

Welche Tarnung würde ich empfehlen?

Auch eine Frage von Gewicht und Packmaß: Was brauche ich da draußen wirklich?

Auch eine Frage von Gewicht und Packmaß: Was brauche ich da draußen wirklich?

Das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Ich greife gerne auf Naturfarben zurück, stehen mir diese nicht im gewünschten Material zur Verfügung, nehme ich Tarnmuster. Ich kann dies, weil ich mir meine Klamotten zumeist selber fertige. Sind einfach besser verarbeitet und auf meine Anforderungen besser abgestimmt, als der fertige Kram von der Stange.

Das perfekte Tarnmuster ist die eierlegende Wollmilchsau – gibt es einfach nicht! Wie gut ein Tarnmuster ist, hängt immer von der Umgebung ab, deswegen gibt es auch so viele verschiede Tarnmuster!

Red-Camo beispielsweise, da fragen sich viele wo ist der Sinn hinter einem Tarnmuster das sich aus Rottönen zusammensetzt? Ganz einfach: Wenn in einer Gegend gekämpft wird, in welcher viele Ziegelbauten stehen, dann macht dort ein solches Muster durchaus auch Sinn, während Blue-Camo für Fallschirmspringer und Navy-Leute eher Anwendung finden sollte (Stichwort hier Konterschattierung). Im Wald würde man mit diesen exotischen Farben jedoch auffallen wie ein bunter Hund.

Und hier liegt der Unterschied im Hintergrund der Anwendung!

Während das Militär die entsprechende Logistik hat und im Kriegsfalle die benötigten Tarnmuster vor Ort liefert, hat der gemeine Bushcraft, Prepper, Survivalexperte oder Wanderer diese Möglichkeiten nicht. Die nächste Frage wäre auch ob es überhaupt Sinn machen würde sich ständig anzupassen! Man will ja nicht was Illegales machen, sondern im Höchstfall eine Ordnungswidrigkeit (Übernachten im Wald) begehen.

Da ich weiß dass mein Verhalten maßgeblich daran beteiligt ist ob ich gesehen werde, oder nicht, ist mir persönlich das Tarnmuster relativ egal. Ob ich jetzt Deutsches oder Dänisches Flecktarn, Französisches CCE, amerikanisches Woodland, schlichtes Oliv oder what ever else nehme, greife ich auf das zurück, was ich als Meterware günstig bekomme.

Allerdings versuche ich ein gewisses Räuberzivil einzuhalten, und solche Muster zu vermeiden die aktiv in den eigenen Streitkräften genutzt werden, da ich nicht als Soldat gesehen werden will.

Übrigens nicht weil ich etwas gegen Soldaten hätte – wäre dem so, würde ich keine gelbe Schleife auf meiner Seite führen. Ich finde es einfach anmaßend.

Ich bin jetzt Zivilist, und derzeit niemand der seinen Hintern riskiert um andere zu schützen, die dann noch beleidigend werden.

Aber wie gesagt, das muss und soll jeder für sich selbst ausmachen. Das perfekte Tarnmuster? Das gibt es jedenfalls nicht…

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