Trekking – Outdoor – Bushcrafting

Königsforst – Eine Reise durch die Vergangenheit

Königsforst-tour1-19

Wanderweg im Königsforst

Wer ahnungslos den Königsforst betritt, der weiß nicht dass in ihm Geschichte schlummert. Verborgen in den Waldabschnitten liegen Zeugen des Krieges in Form von Bunkern und Bunkerruinen, deren genaue Lage nur wenige kennen, es finden sich die Reste alter Wege, welche zu Gehöften führten, von denen heute vielleicht maximal die Landschaft kündet und es gibt Hügelgräber im Königsforst.

Auch für Naturfreunde ist dieser Wald eine wahre Fundgrube der Vielfalt – Nadelwald, Mischwald, Buchenwald, Niederflurwald und mit dieser abwechslungsreichen Flora entstehen natürliche Habitate für diverse, teils recht selten gewordene, Tiere.

Königsforst-tour1-11

Typische Spur eines Wildschweins – Der Form der Fährte, und der Größe des Abdrucks nach ein Eber von 50 Kg Körpergewicht. Ausgehend von Temperatur, Fundort und Situation der Spur war das Tier dort drei Stunden vor meinem Eintreffen…

Mir fiel auf dass es im Königsforst wohl recht viele Schweine gibt. Man stößt fast überall auf die Spuren dieser Tiere – sei es in Form von Fährten, Losung oder dem üblichen, nussartigen Geruch, wenn diese Tiere in der Nähe sind. Von diesem sollte man sich übrigens fortbewegen. Schweine greifen an, wenn man sie bedrängt. In aller Regel laufen sie zwar weg, aber wenn man merkt dass ein nussiger, stechender Geruch in der Luft liegt, sollte man nicht auf die Quelle zugehen. Es wäre ein unnötiges Risiko, und im Zweifelsfall eine Stressbelastung für die Tiere, die nicht sein muss.

Etwas negativ waren wieder einmal viele Hundehalter, die ihre geliebten Zweibeiner unangeleint durch den Wald laufen ließen. Ich habe nichts gegen Hunde, ganz im Gegenteil – aber ich weiß was passieren kann, wenn sie ein Hund beim Spielen eine Bache, oder einen Eber aufscheucht.

Der Hund mag ja noch so lieb sein, und nichts machen – das kann man aber für die anderen Waldbewohner nicht garantieren!

Ich glaube wenn die Leute wüssten welche Gefahren da lauern können, würden sie ihre Lieblinge anleinen. Zum Schutz dieser!

Königsforst-tour1-06

Im Königsforst stößt man alle paar Meter auf Wasserstellen wie diese. Hier tritt Grundwasser in helokrenen Quellen aus…

Hinzu kommt dass man auf einer Wanderung durch den Königsforst eigentlich nie durstig sein muss, da es sich auch um ein relativ großes Quelleinzugsgebiet handelt. Die meisten Quellen welche man im Königsforst finden kann, sind helokrene Quellen – also Sicker- und Sumpfquellen, bei welchen das Grundwasser oberflächennah austritt.

Man kann, und sollte, den gut ausgebauten Wanderwegen folgen, da es auch im Königsforst leider eine Altlast gibt. Kurz nach Kriegsende sprengten Alliierte Truppen dort Munitionsbestände der Wehrmacht. Leider auf eine Art die nicht besonders geschickt gewählt wurde, so dass teilweise aktive Munition über mehrere hundert Quadratmeter verteilt wurde. Das Risiko mag zwar gering sein, aber es ist eben definitiv vorhanden.

Auf meiner Tour gestern habe ich nach zwei Wüstungen Ausschau gehalten: Einmal dem Gut Schwiegelshohn, und zum anderen nach Gut Holz – beide sind in alten Karten von Tranchot und der KDR100 eingezeichnet, und lassen sich heute – in Form von Bebauungsanomalien noch in Geländeaufnahmen erahnen.

Zu sehen ist von den beiden Höfen jedoch nichts mehr…

Königsforst-tour1-41

Der Hexenteich im Königsforst: Hier wurde früher Recht gesprochen – bittererweise endete die Urteilsfindung bei der Wasserprobe für den Beschuldigten grundsätzlich tödlich!

Ein weiteres Zeugnis der Geschichte bildet der, nahe Refrath gelegene, Hexenteich im Königsforst, welcher durch eine eigene Quelle gespeist wird, und der etwas tiefer ist. Über die genaue Tiefe ist leider nichts bekannt. Das Wasser ist allerdings derart trübe und ölig, das ein Schwimmen darin nicht empfehlenswert wäre.

Den Namen hat er sich durch seine Verwendung im Mittelalter als Richtplatz „verdient“. Hier wurden so genannte Wasserproben durchgeführt. Eine Person, welche als Hexe beschuldigt wurde, wurde hierbei gefesselt in den See geworfen: Ging sie unter und ertrankt, dann war sie unschuldig und hatte das „Recht“ in den Himmel zu kommen. Schwamm sie jedoch an der Oberfläche, war klar dass sie eine Hexe war, und wurde auf dem Scheiterhaufen „geläutert“.

Königsforst-tour1-01

Ein häufig anzutreffender Bewohner des Königsforsts – Frösche und Amphibien fühlen sich in den feuchten Habitaten des Königsforstes richtig wohl…

Die aufsteigenden Gasbläschen im Hexenteich zeugen von einer stark vertreten Fauna an Amphibien wie Fröschen, Molchen und anderen – können allerdings auch Rückschlüsse auf Fäulnisgase liefern, da im Hexenteich auch sehr viel organisches Material verrottet. Und wer weiß? Vielleicht ja auch noch die ein, oder andere Hexe?

Nicht unweit des Hexenteiches geht es zur Stelle der alten Dynamitfabrik in Lustheide – nahe gelegen waren auch Sprenggruben, allerdings ist heute davon nichts mehr zu erkennen. An der Stelle der Fabrik steht heute ein Bethanien Kinderdorf, und lediglich am Neufeldweg erinnert eine kleine Tafel an die alten Zeiten.

Share on FacebookPin on PinterestTweet about this on TwitterShare on Google+Share on LinkedInShare on RedditShare on TumblrShare on StumbleUponShare on VKShare on YummlyDigg this

Kommentar verfassen