Trekking – Outdoor – Bushcrafting

Gratisschleuder: Alter Fahrradschlauch und ein Stück Ast aus dem Wald …

Was in unserer Zeit als Spielzeug betrachtet wird, mit dem Kinder gerne Dosen und Flaschen zerschießen, war und ist in anderen Situationen eine brauchbare Waffe die man auch – in Grenzen – zur Bejagung von Kleintieren einsetzen kann. Als Kleintiere gelten hierbei primär Vögel und kleinere Nagetiere wie Ratten oder Eichhörnchen (kann man auch essen!). Für größere Tiere würde ich persönlich eher zu einem Bogen, oder einer Harpune greifen. Aber dazu an anderer Stelle mehr. Auch lässt sich eine Schleuder, mit dem richtigen Geschoss bzw. Pfeil, als wunderbare Angel nutzen.

Auf Seiten wie Amazon versuchen sich die Händler gegenseitig mit „tollen Angeboten“ zu übertreffen. Hochglanzpolierte Stahl und Kunststoffschleudern werden dort zu Spottpreisen verkauft, und jede Einzelne übernimmt das Schießen und Treffen dabei fast von selbst, jedenfalls dann wenn man den Herstellern und Händlern glauben will. Ebenfalls verkauft werden Schleudergummis – meist gelbe oder orangefarbene Gummibänder die für Sportschleudern genutzt werden.

Wenn man sich die Erfahrungsberichte zu diesen Angeboten durchließt, oder sich selbst ein solch tolles Produkt ergattert, gelangt man recht schnell auf den Boden der Tatsachen. Und Tatsache ist, mit einer richtigen Schleuder haben diese Dinger nicht viel zu tun. Ganz im Gegenteil, es besteht sogar die Gefahr dass man sich selbst ernsthaft verletzt!

Die meisten dieser Schleudern bestehen aus Gussstahl. Dieser ist alles andere als Stabil, und die große Belastung beim Spannen einer Schleuder kann dazu führen dass die Schleudergabel abbricht und dem Schleuderndem ins Gesicht schlägt. Mit Glück kommt man dann mit einer Platzwunde davon, aber wahrscheinlicher ist es dass man ein Auge verliert oder einen gebrochenen Wangenknochen davon trägt. Je nachdem wie heftig Spannung und folgender Schlag erfolgen. Also besser das Geld sparen, und sich selbst eine Schleuder bauen. Das ist, was tatsächlich immer noch geht, mit geringstem finanziellen Aufwand, wenn nicht sogar völlig kostenlos realisierbar!

Und Finger auch weg von diesen Schleudergummis. Die sind etwas für Sportveranstaltungen, nicht jedoch für den Notfall, oder eine reine Trainingsschleuder … begeht nicht den Fehler und kauft vermeintlich professionelle Ausstattung weil sie gut aussieht, nur um dann aus einer schwierigen Situation eine beschissene Situation zu machen!

Die Gummis

Gemeinhin kann man jedes Band nehmen was schnell wieder zurückflutscht. Bei Material für einen Bogen spricht man vom Rückstellwert, bei Gummis? Keine Ahnung. Hauptsache schnell – denn die Geschwindigkeit mit der sich ein gespanntes Gummiband zurück bewegt, ist der Speicher für die Energie die wir mit der Schleuder auf dass Geschoss – also die Kugel oder den Pfeil – übertragen. Je höher, also schneller, diese Energie ist, desto größer ist am Ende die Wucht mit der das Geschoss auf das Ziel trifft.

Ganz klassisch werden Schleudergummis aus alten Fahrradschläuchen gefertigt. Die heute benutzt Fahrradschläuche sind zwar nicht mehr aus Gummi, aber sie haben dennoch genug Kraft und Elastizität um als Schleudergummis zu dienen. Wer eine Fahrradwerkstatt in der Nähe hat, und dort freundlich fragt, der kann eventuell auch kostenlos einige solcher Schläuche abstauben. Und wenn nicht, ich denke die Kosten zwischen 2 und 4 Euro kann sich jeder noch leisten. Und die Dinger sind auch stabiler als die „Profivariante“ von Amazon und Co. welche für rund 8 bis 16 Euro schon nach dem dritten oder vierten Schuss reisst.

Tausendfach und kostenlos im Wald – perfekte Körper für Steinschleudern und Zwillen …

Den Schleuderkörper bekommt man ebenfalls für lau, man muss lediglich ein wenig Zeit investieren und mit offenen Augen durch den Wald spazieren. Geeignet ist eigentlich jeder stabiliere, gegabelte Ast. Ich nehme gerne Hölzer die mindestens Daumendick sind. Das Einzige worauf man achten sollte ist dass kein verfaultes, oder vertrocknetes Holz ist, dieses bricht gerne, und dann hat man das gleiche Problem, welches man ja eigentlich verhindern wollte.

Alles Weitere was man braucht sind ein Taschenmesser und etwas Schnur. Ich denke die Bilder sind selbsterklärend. Als Geschosse können eigentlich alle ungefähr gleichmässig geformten Steine (am ehesten Flusskiesel), getrocknete Beeren, Pfeile oder auch die berühmten Stahlkugeln zum Einsatz kommen. Das Zielen sollte im Vorfeld geübt werden. Als Ziele bieten sich hier wieder die berühmten leeren Dosen und Flaschen, aber auch kleine Steinplättchen oder Holzplatten und dergleichen an.

Ich denke eigentlich ist der Hinweis überflüssig, und jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch sollte es wissen, aber sicherheitshalber … es versteht sich von selbst dass man, auch mit einem vermeintlichen Spielzeug, nicht auf lebende Wesen schießen sollte. Weder auf Menschen, noch auf Tiere. Zielen üben kann man an allem, nur eben nicht an empfindsamen Wesen. Wer das nicht beherzigt, der sollte vielleicht darüber nachdenken selbst einmal einen Arzt aufzusuchen. Also, immer daran denken, hier geht es um Hilfsmittel für Notfälle, nicht um Spiel und Spaß …

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