Trekking – Outdoor – Bushcrafting
tarnmuster-stoffe

Links nach Rechts: Britisches DPM, 65% B/35%P – Dänisches Flecktarn, ebenso – Deutsches Flecktarn 1000den Cordura, k.A., 100% Baumwolle – Französisches CCE Tarn 65B/35P, Oliv, 100% B

Wer sich sein Equipment selber macht, der kann auch selbst bestimmen welche Funktionen und welches Aussehen dieses haben wird. Er ist quasi frei sein eigenes Design vollständig umzusetzen – Können und Wissen vorausgesetzt. Ich möchte den Do it Yourself-Bereich dieser Seite langsam mal wieder etwas weiter ausbauen, und mein Wissen weitergeben.

Ich schätze das am häufigsten Gefragte dürfte eigene Funktions- oder Outdoorbekleidung sein. Damit man Spaß an seiner selbstgemachten Funktionsbekleidung hat, sollte als Grundlage erst einmal stehen welche Materialien, sprich Stoffe, man verwenden sollte. Daher hier eine kleine Einführung in die Materialkunde!

Alle Stoffarten aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, daher greife ich die Arten an Geweben auf, welche man am leichtesten bekommen, und verarbeiten kann, ohne dass man sich einen großen Maschinenpark anlegen, oder mit überteuerten Zusätzen arbeiten muss.

Ich fange an mit den Stoffarten…

Natürliche Stoffe (Baumwolle, Nessel, Wolle)

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Baumwolle (Ripstop) mit Tarndruck nach fünfmaligem Waschen: Links – Neuer Stoff, rechts – gewaschener Stoff. Deutlicher Farbverlust durch Abrieb…

Baumwolle ist die wohl am häufigsten vertretene natürliche Stoffart überhaupt. Sie ist hautfreundlich, atmungsaktiv, leicht zu bearbeiten und günstig in der Anschaffung – allerdings reibt sie sich auch stark ab, und je nach Gewebeart knittert sie leicht. Der starke Abrieb ist übrigens dafür verantwortlich dass Baumwollbekleidung nach einigen Waschgängen recht schnell an Farbe, oder bei bedrucktem Material, an Wirkungskraft verliert (Farbverlust).

Auch läuft Baumwolle recht gut ein – was einen Größenverlust von teils bis zu 10% ausmachen kann! Man sollte daher vor Verarbeitung des Stoffes, diesen bei ca. 60° waschen. Ebenfalls nachteilig ist die später erfolgende Ausdehnung, wenn die Hose, oder die Jacke, die eigentlich gut sitzen müssten, anfangen am Körper zu schlackern, was bei Touren im Outdoorbereich teilweise recht störend wirken kann!

Im Outdoorbereich weist sie auch einen weiteren Nachteil auf: Sie wird schnell feucht, und hält die Feuchtigkeit auch recht gut und lange, und wird dadurch nicht nur für das Körperklima unangenehm, sondern auch insgesamt schwerer! Auch dringt Schmutz schnell zwischen die Fasern des Gewebes, so dass sie Dreck leichter festhält.

Was sie, zumindest für Outdoorbekleidung in kälteren Zeiten und Regionen, kontraproduktiv erscheinen lässt, da sie das Auskühlen des Körpers im nassen und feuchtem Zustand durch ihre Eigenschaft Feuchtigkeit zu halten, beschleunigen kann.

Auch ist ihr Gewicht ein Nachteil. Will man sich – beispielsweise – Zeltbahnen fertigen, so muss die hierfür verwendete Baumwolle ein bestimmtes Gewicht mitbringen, um eine entsprechende Stabilität zu gewährleisten.

Alte Zeltbahnen sind hier ein Paradebeispiel: Sie sind schwer und sie müssen zusätzlich gegen Feuchtigkeit imprägniert werden! Modernere Materialien wie Nylon oder Cordura bieten dagegen gleiche Eigenschaften in Bezug auf die Strapazierfähigkeit und Tragkraft des Materials, bei wesentlich geringerem Gewicht, und sie nehmen nicht so schnell Schmutz und Feuchtigkeit auf, wie Baumwolle!

Mischgewebe (65% Baumwolle 35% Polyester, oder 50%/50%)

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Mischgewebe aus 65% Baumwolle und 35% Polyester (Köpperbindung) – der Polyesterstoff ist durchgefärbt, was größere Farbstabilität bringt. Der Rest ist Aufdruck!

Im militärischen Bereich haben sich Mischgewebe durchgesetzt, welche zumeist aus 50% Baumwolle und 50% Polyester, oder in der Mischung 65% Baumwolle und 35% Polyester bestehen. Der Vorteil von Kleidung aus diesem Mischgewebe liegt zum einen in der Haltbarkeit, den hydrophoben Eigenschaften sowie der Formstabilität der Kunstfasern, und zum Anderen in der Hautfreundlichkeit und Atmungsfähigkeit von Baumwollfasern.

Man findet diese Stoffe auch im Bereich von guter Arbeitskleidung. Einfach weil sich herausgestellt hat dass die Produktion günstig, und die daraus hergestellte Bekleidung eben recht stabil ist!

Meist sind die Stoffe in der Webart “Köpperbindung” erhältlich, worauf man auch achten sollte. Es gibt noch jede Menge anderer Webarten, allerdings ist diese Webart am sichersten wenn es um Bekleidung geht, die extremen Belastungen ausgesetzt ist. Die Webart der Köpperbindung ist zum Einen Formstabil, und verhindert übermäßiges Knittern, und zum anderen verhindert sie das Auffasern von Löchern.

Ebenfalls tauglich sind so genannte Rip-Stop Gewebe. Hier werden zusätzliche Quer und Längsfäden dazu genutzt um ein Ausfransen von Löcher, welche man sich im Outdoorbereich jederzeit zuziehen kann, zu vermeiden.

Kunstfasern (Nylon, Cordura, Polyester)

Kunstfasern sind stabiler als natürliche Fasern, was bewirkt dass die Gewebe aus Kunstfasern wesentlich leichter sind, als vergleichbare natürliche Stoffe. Nimmt man für eine gute Jeans, die auch belastbar ist, Stoff mit bis zu 300 Gramm/qm², so kommt man bei Mischgeweben mit Stoffen um die 220 Gramm/qm², bzw. bei Kunstfasern teils auch mit 180 Gramm/qm² aus, was sich natürlich auf das Gewicht der Kleidung insgesamt auswirkt.

Ein weiterer Vorteil von Kunstfasern ist die Eigenschaft dass diese ihre Farben nicht durch normales Waschen verliert, da die Faser an sich gefärbt ist. Der Kunststoff, aus welchem die Faser besteht, ist durchgehend farbig, während Baumwolle, und andere Naturfasern, durch aufgetragene und mittels Salzen fixierte Pigmente lediglich oberflächlich gefärbt sind.

Auch die Formstabilität der Kunstfaser gegenüber Naturfasern ist – vorausgesetzt man erhitzt sie nicht über einen bestimmten Punkt – wesentlich größer. D.h. die Kleidung leiert nicht so schnell aus, und bleibt länger und besser an den Körper angepasst.

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Einer der großen Nachteile bei Kunstfasern: Das Aufsplicen der Ränder … das Zeug fusselt wie verrückt! (Cordura – Leinwandbindung)

Auch nehmen Kunstfasern weniger Wasser auf, und bleiben dadurch länger trocken, bzw. trocknen nach Kontakt mit Feuchtigkeit wesentlich schneller als Baumwolle. Die gilt auch für Verschmutzung. Sofern es sich um gewöhnlichen Dreck handelt, lässt sich dieser recht leicht entfernen. Kunststoffe sind also auch Pflegeleichter.

Nachteile der Kunstfasern sind jedoch dass diese sich unter Hitzeeinwirkung zusammenziehen und bei längerer UV Strahlung ihre Festigkeit und Farbe (Ausblichen) verlieren können. Ebenfalls nachteilig ist die mangelnde Atmungsfähigkeit von Kunststoffen.

Ebenfalls ein sehr großer Nachteil ist dass man unwillkürlich unter Kunstfasern zu schwitzen beginnt, was den Vorteil der Wasserfestigkeit wieder aufhebt. Da der Schweiß nicht über den Stoff abtransportiert werden kann, kann dies – im Verbund mit dem Scheuern des Gewebes auf der Haut – zu Hautreizungen, und über längere Zeiträume zu Entzündungen führen.

Frage was nutzen?

Ich bin der Meinung dass jeder der drei Stoffarten im Bereich Kleidung seine Daseinsberechtigung hat und man nicht pauschalisieren kann, dass dieser Stoff den anderen Stoffen überlegen ist. Es kommt eben darauf an wo ich die Kleidung einsetze. Welches Umfeld gegeben ist. Ich würde zum Beispiel Baumwolle in eher trockenen und warmen Regionen einsetzen, Mischgewebe und – ungerne – Kunstfasern dann eher in unseren Regionen.

Für Equipment, solange es nicht um Kissenbezüge, oder Dinge die direkten Hautkontakt haben geht, würde ich ganz klar Kunstfasern bevorzugen. Zelthäute, Böden, Kajakhäute oder Rucksäcke – man kann dies alles natürlich auch aus natürlichen Geweben fertigen, aber der Aufwand wäre hier wesentlich höher. Zudem kommt der Aspekt der Haltbarkeit, der Belastbarkeit sowie die diversen anderen, positiven, Eigenschaften der Kunstfasern hinzu, welche sie für Ausrüstungsgegenstände einfach sinnvoller erscheinen lassen.

Garn & Zwirn – Von Nadel und Faden!

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Stickgarn (Links), Garn Extra Stark (Mitte), reguläres Garn (Rechts) für Hemden und leichte Bekleidung – man sieht wie der Faden des Starken Garns verdrillt ist…

Hat man sich nun für einen Stoff entschieden, und diesen zurecht geschnitten (Zuschnitt), erfolgt das Zusammennähen. Es macht ja wenig Sinn wenn der Faden stabiler ist, als der verwendete Stoff, dann reißt, im Zweifelsfalle, der Stoff, und nicht der Faden.

Ich benutze grundsätzlich nur Polyestergarne – diese haben sich als weniger Abriebfreundlich erwiesen als Baumwoll- oder andere Naturfasergarne. Und gerade im Outdoorbereich werden auch Nähte verschiedenen Witterungssituationen ausgesetzt und verschleißen recht schnell.

Für Bekleidung reicht meist ein Allesnäher – diesen gibt es von Gütermann auch unter genau dieser Bezeichnung zu kaufen. Ich nutze ihn für Jacken und Mäntel, und bislang ist noch keine davon an den Nähten gerissen. Für Hosen, bzw. jene Bereiche bei Hosen die stärkeren Belastungen ausgesetzt sind – also Po und Schritt – nutze ich jedoch Extra starkes Garn. Sicher ist halt sicher…

Für kleinere Taschen, die keine großen Belastungen aushalten müssen, sowie für Tarps und Zelte – hierbei abhängig vom Gewicht des Verwendeten Materials – nutze ich ebenfalls Nähgarn der Sorte Extra Stark.

Für größere Taschen, Rucksäcke, Segel und dergleichen gibt es spezielles, gewachstes Polyestergarn. Dieses ist nochmals eine Spur stärker als reines Polyestergarn und für solche Zwecke ausgelegt. Dieses bekommt man im Handel auch unter der Bezeichnung Sattlerzwirn oder Ledergarn. Dabei handelt es sich nicht mehr nur um einen rein gesponnen Faden, sondern um verflochtene Fäden, ähnlich einer Reepschnur, was die Stabilität immens erhöht!

Man sollte beim Garn nicht unbedingt sparen. Die Stabilität eines Garns wird maßgeblich die Länge der in ihm verarbeiteten Fasern bestimmt. Je länger diese Fasern sind, welche zum Garn versponnen wurden, desto stabiler und reißfester ist am Ende das Garn. Sind die Fasern kurz, reisst es schnell, und man hat nicht lange Freude an dem, was man gemacht hat.

Und die Erfahrung sagt mir dass billige Garne meist auch aus kurzen Fasern bestehen…

Nicht alleine das Garn ist verantwortlich für die Haltbarkeit eines Werkstücks, sondern auch die Straffheit mit welcher die Einzelteile vernäht werden.

Eine Naht reißt schneller, wenn Spiel zwischen beiden Hälften besteht, aus dem Grund weil hier an der Naht Reibung entstehen, und den Faden durchreiben kann. Liegen die Teile eng aufeinander und werden feste vernäht, ist die Naht wesentlich stabiler, und dadurch länger haltbar…

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