Trekking – Outdoor – Bushcrafting

110 Liter Rucksack? Warum nicht DIY?

DIY-Self Rucksack aus Cordura - eigentlich recht einfach. Eben ein Sack mit Taschen und Schulterriemen...

DIY-Self Rucksack aus Cordura – eigentlich recht einfach. Eben ein Sack mit Taschen und Schulterriemen…

Rucksäcke sind wohl die wichtigsten Begleiter auf Touren. Ihre Größe und ihre Ausstattung sind entscheidend dabei, was wir mitnehmen können. Sei es nun von Anfang einer Tour, oder unterwegs aufgesammelte Gegenstände. Manche Rucksäcke sind richtige High-Tech Begleiter. Klimazonen, Membranpolster, verstellbare Gurtteile … Eben Rucksäcke die perfekt auf ihre Träger und die Anforderungen angepasst werden können. Kann da ein selbstgemachter Rucksack mithalten?

Höhenverstellbares Trägersyystem? Entweder sauteuer, oder man macht es selbst - übrigens auch zum Nachrüsten an fertige Rucksäcke machbar!

Höhenverstellbares Trägersyystem? Entweder sauteuer, oder man macht es selbst – übrigens auch zum Nachrüsten an fertige Rucksäcke machbar!

Im Grunde ist so ein Rucksack dass, was der Name aussagt: Ein Sack, der auf dem Rücken wird. Ist auch schon die Grundlage eines potentiellen Schnittmusters! An diesem Grundsack werden weitere Säcke, bzw. Taschen festgenäht, damit man leichter das zu transportierende Gut sortieren kann. Was die Ganze Sache eigentlich zur Schwierigkeit macht, sind Extras.

Eben verstellbare Rückenteile, Polsterungen, komplexe Verschlusssysteme und dergleichen mehr. Auch sollte man sich ein wenig mit Materialkunde auskennen, wenn man einen eigenen Rucksack entwerfen und verwirklichen will.

Traditionell wird schwere Baumwolle und Leder verwendet. Die Baumwolle kann man mit Wachs sogar Wasserdicht bekommen. Hierfür wird der Stoff einfach mit einer Kerze abgerieben, und dann mit einem Bügeleisen nachbehandelt. Das klingt im ersten Moment primitiv, wirkt aber ganz hervorragend. Das Leder wird dann auf stark beanspruchte Stellen appliziert.

Bei modernen Materialien kann man auf Nylon oder Cordura zurückgreifen, welche die wasserabweisenden Eigenschaften von Haus aus mitbringen, und welche sich – entweder vom Hersteller, oder mit einigem Aufwand auch selbst komplett wasserdicht imprägnieren lassen. Der Vorteil moderner Materialien liegt eindeutig bei Gewicht, Formstabilität und Abriebfestigkeit.

Bei der Naht sollte man entweder Zwirn nehmen, oder auf reissfestes, gewachstes Polyestergarn zurückgreifen. Das ist natürlich etwas teurer, aber eine Naht die bei der nächstbesten Belastung reisst, ist bei einem Rucksack wenig sinnvoll.

S-Förmige Schulterriemen passen sich besser der Anatomie an...

S-Förmige Schulterriemen passen sich besser der Anatomie an…

Die Trageriemen reichen von ursprünglich einfachen Schnüren, gehen über gerade Leder- oder Stoffträger mit einer leichten Polsterung bis hin zum modernen S-förmigen Schultergurt, welcher sich der Anatomie der Schultern anpasst.

Das Komplexeste an einem Rucksack ist die Formgebung. Während sich der klassische Rucksack in einigen Stunden fertigen lässt, braucht man für einen anatomisch angepassten Rucksack schon einige Tage, wenn man diese alleine und in Handarbeit fertigen möchte.

Es macht Sinn sich im Vorfeld ein Papiermodell zu erstellen, welches später dann auch als Schnittmuster dient. Hierdurch kann man auch gleich bestimmen wieviel Material man benötigt.

Kommen dann noch Dinge wie eine Rückenpolsterung, oder ein Tragegestell hinzu, verlässt man auch bereits den Bereich Schneiderei und gelangt an einen Punkt an welchem weitere handwerkliche Fähigkeiten verlangt werden. Aber auch hier gilt: Keine Angst vor Exerperimenten!

Für ein Tragegestell benötigt man – im einfachsten Fall – nicht mehr als ein paar Alu-Rohre, eine Metallsäge, einen Bohrer und eine Blindnietzange.

Basis des MOLLE-Systems? Nylonriemen die im Abstand von 2,5 cm zueinander in jeweils 4 Zentimeter Abstand auf dem Träger vernäht werden...

Basis des MOLLE-Systems? Nylonriemen die im Abstand von 2,5 cm zueinander in jeweils 4 Zentimeter Abstand auf dem Träger vernäht werden…

Aus dem militärischen Bereich kommen etliche sinnvolle Ideen, was die Erweiterungsfähigkeit von tragender Ausrüstung betrifft. Derzeit im Gebrauch ist das MOLLE-System ( Modular Lightweight Load-carrying Equipment). Hierbei handelt es sich um auf das Trägersystem aufgebrachte Nylonbänder, die in einem festgelegtem Abstand am Material befestigt werden.

Neben weiteren Taschen, mit entsprechender Befestigungsmöglichkeit, lassen sich auch direkt Ausrüstungsgegenstände mittels Packriemen mit dem MOLLE-System an Rucksäcken befestigen. Auch Karabiner, oder andere Dinge finden so schnell und einfach Platz.

Höhenverstellbares Trägersyystem? Entweder sauteuer, oder man macht es selbst - übrigens auch zum Nachrüsten an fertige Rucksäcke machbar!

Höhenverstellbares Trägersyystem? Entweder sauteuer, oder man macht es selbst – übrigens auch zum Nachrüsten an fertige Rucksäcke machbar!

Bei meinem letzten Rucksack habe ich mich am alten ALICE Rucksack der US Army orientiert. Das ALICE-System ist quasi der Vorläufer des MOLLE, und der Rucksack selber erfreut sich heute noch größter Beliebtheit, auch wenn er kaum noch als Neuware erhältlich ist. Anders als beim Alice habe ich jedoch kein Tragegestell eingeplant, sondern stattdessen den Rückenbereich durch Hartschaumplatten und einer passenden Polsterung umgesetzt.

Ich denke bei 110 Litern Fassungsvermögen ohne Erweiterungen, jedoch mit der Möglichkeit MOLLE-Systeme anzubringen, dürfte eine Kraxe auch nicht wirklich notwendig sein.

Die Rückengurte sind in der Höhe durch Schlaufen verstellbar. Ich habe mir hierzu bei Globetrotter einen Rucksack angesehen, welcher diese Möglichkeit bot, und denke für den Heimgebrauch habe ich es recht gut umgesetzt.

Wie gesagt, wer einen – auf die eigenen Anforderungen maßgeschneiderten – Rucksack möchte, der wird nicht umhin kommen sich selber Gedanken zu machen. Der Anfang beginnt mit einem lebensgroßem Papiermodell, welches dann auch als Schnittmuster dienen kann. Der Rest ist eigentlich nur noch Materialkunde…

 

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